Ihr Lieben,
angeregt durch den Nuumit-Thread erzähle ich euch jetzt eine Geschichte, inspiriert durch diesen tiefgründigen Freund:
Grönland ist eine Reise wert
Sommer martert das Land, martert besonders mich. Ich liebe die Hitze nicht. Da erscheint mir Grönland als lohnendes Ziel einer Reise. Wie wohl die Grönländer sind? Kühl am Tage, und glutvoll in der Nacht? Wovon träumen die Grönländer? Vom Sommer etwa? Von Hitze, die das Eis tauen läßt? Ich träume von einem Mann. Von einem Mann aus dem fernen Grönland. Leicht schräg gestellte Augen schauen mich an. Sind sie kupfern, oder blau? Sie changieren, je nachdem, wie der Lichteinfall sie streift. Weiß ist seine Haut. Obwohl die Dunkelheit da täuschen mag. Plötzlich ist er da. Quasi aus dem Nichts erschienen wie Nebel aus dem Tal. Es sprühen Funken um ihn herum. Langsam bilden sie sich zur Form. Festigen sich zur Gestalt eines fremdartigen Wesens. Der Mund lächelt, stellt mir eine Frage. Was kann ich antworten? Ich verstehe ihn nicht. Grönländisch stand nicht auf dem Stundenplan der von mir besuchten Schule. Zaghaft versuche ich ein Lächeln, zucke bedauernd mit den Schultern. Da ergreift er meine Hand. Erstaunlich warm sind seine Finger. Ich fühle Vertrauen, gehe mit dem Fremden. Frage nicht, wohin er mich führt. Feuer und Eis. Gehören sie nicht zusammen? Gäbe es eines ohne das andere?
© Julia V. Alefelder